Dreist. Verlogen. Bigott.

Wo schlau aufhört … Manchmal wundere ich mich. Also genaugenommen wundere ich mich natürlich recht häufig, aber manchmal eben ganz besonders.

Jetzt gerade zum Beispiel. Über den derzeit so grossartig aufgebauschten Steuerskandal.

Wer Security-Tools besitzt kann bis zum ‘nem Jahr im Knast landen (StGB 202c), aber wer einer Bank die Kundendaten bergeweise klaut, kriegt vom Staat 5.000.000 Euro geschenkt?

So richtig schlecht wird mir dann allerdings meist erst, wenn sich irgendwelche berufsentrüsteten Gutmenschen vor die Kamera stellen und man Ihnen genau ansieht, dass sie — vor Neid vermutlich schon das dritte Magengeschwür hinter sich — die “Steuersünder” am liebsten öffentlich verbrennen würden (Verbrecher! Abschaum!).

Das zu sagen sind sie dann allerdings natürlich zu feige, und so bleibt es normalerweise bei der Forderung von Gefängnisstrafen, die meist auch nur geringfügig über den Strafen für Vergewaltigungen oder Morde (oder beides) liegen. Und da ist es dann wieder, das Magengeschwür. “Verreck’ dran!”, möchte man Ihnen spontan zurufen!


Ich fasse mal kurz zusammen (für die, die die letzten vier Wochen in irgendeinem gemütlichen Erdloch verbracht haben):

  • Irgendein Krimineller klaut der LGT einen ganzen Haufen (personenbezogener) Kundendaten
  • Dieser Kriminelle bietet dem BND einen Datenträger mit diesen illegal erworbenen Daten zum Kauf an
  • Der BND verwendet (lt. SpON) knapp 5.000.000 Euro Steuergelder, um dem Datendieb den Krempel abzukaufen
  • Ein Vorzeige-Finanzamt kriegt ‘ne Kopie und statuiert an Zumwinkel ein Exempel
  • Die Daten werden weiter unter die Beamten gestreut und eine fröhliche Hexenjagd in der gesamten Republik kann beginnen

IANAL, aber das kommt mir doch irgendwie merkwürdig vor. Um es mal vorsichtig auszudrücken: Ich kann also eine Firma beklauen und die geklauten Daten dann hinterher unserem Staat verkaufen, wenn der damit nur ausreichend viel Kohle machen kann?

“(…) hatte der BND für den Kauf brisanter Daten rund fünf Millionen Euro ausgegeben – “gut angelegtes Geld”, findet die Regierung.”
Quelle: Spiegel Online

Das ist pervers. Kann nicht mal irgendwer Steinbrück (SPD, oberster Steuereintreiber) und Uhrlau (SPD, oberster Auslandsspion) anzeigen? Zumindest die beiden gehören auf der Stelle abgesetzt. Mindestens.

Achja, gut gelungen ist der knappe Kommentar auf der LGT Homepage:

“Vaduz, 15.2.2008 – Wie die LGT Group heute bekanntgab, haben sich Hinweise ergeben, dass vor rund sechs Jahren gestohlene Kundendaten der LGT Treuhand AG in Vaduz unrechtmässig weitergegeben wurden. Der Datendiebstahl war 2003 angezeigt und gerichtlich verurteilt worden. Kunden, die nur mit der LGT Bank (und nicht mit der LGT Treuhand AG) eine Beziehung unterhalten, sowie sämtliche ab 2003 eröffneten Kundenbeziehungen von Gesellschaften der LGT Group, sind von diesem Datendiebstahl nicht betroffen.”

… und weil die staatliche Bigotterie manchmal so schön ist — hier auch noch, was das Bundesinnenministerium auf der “BSI für Bürger“-Seite dazu sagt:

“In den Medien hört man immer öfter, dass Unbekannte in fremde Computersysteme eindringen und kurzzeitig die Kontrolle darüber übernehmen. (…) “Böse” Hacker heißen Cracker. Diese Leute verstehen ihr Handwerk genau wie die Hacker. Allerdings dringen sie in fremde Systeme ein, um dort Schaden anzurichten. Sie löschen, verändern oder missbrauchen geschützte Datenbestände oder Programme. Durch solche Eingriffe können materielle Schäden in Millionenhöhe entstehen.”

… es sei denn, sie finden eine Bundesbehörde, die Ihnen die Daten für eine Summe abkauft, die einem mittleren Lotto-Jackpot enspricht.

Hätten sie nicht WENIGSTENS den Anstand zeigen können, bei dem dämlichen Datendieb eine Hausdurchsuchung wegen irgendwas (wie wär’s mit StGB 202c? Das hätte sogar fast noch Stil!) durchzuführen und die CD mit den Daten als Zufallsfund auszugeben?

One thought to “Dreist. Verlogen. Bigott.”

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