Ed Hardy, Diddl und Stiefeletten unter 10 Euro

Ich persönlich halte ja “Ed Hardy” für das beste Beispiel, wie grandios Marketing versagen kann. Aus den USA wird “Ed Hardy” ja gern als die Trendmarke der Reichen, Schönen und/oder Prominenten kolportiert. Auf den Deutschen Markt liess sich das wohl irgendwie nicht so richtig übertragen: Zumindest mir fällt permanent auf, dass “Ed Hardy” hierzulande die Marke der — wie hiess es gleich? — “bildungsfernen Schicht” zu sein scheint. Der “bildungs- und umgangsformenfernen Schicht”, möchte man hinzufügen.

Für die etwas Älteren unter uns: Früher sagte man einfach “die Assis”, aber das ist natürlich politisch vollkommen inkorrekt.

Jedenfalls: Jogginghose, Bomberjacke und Ed Hardy T-Shirt bei der männlichen Fraktion, Pimky Leggins, Plastikgürtel und Ed Hardy T-Shirt bei den dazugehörigen Tussis Frauen.

Bisher dachte ich, das sei möglicherweise nur in Berlin so. Weit gefehlt: Über Weihnachten fiel mir bei meinen Eltern in einem der lokalen Anzeigenblättchen das hier auf:

Ed Hardy im Ramschladen

“Top-modische Stiefelette zum Preis von unter zehn Euro” und dazu “Produkte von Diddl, Ed Hardy und Sheepworld”.

Dazu noch ein PLO-Tuch in aktuellen Modefarben?

Arafat rotiert vermutlich im Grab, aber mein Tag war gerettet.

12 thoughts to “Ed Hardy, Diddl und Stiefeletten unter 10 Euro”

  1. NUR in Gummersbach kann es solche Sensationen geben! Das mir das entgangen ist … wir waren doch um Weihnachten auch da – und sogar danach nochmals!

    Man beachte auch die Position von “Ed Hardy” zwischen “Diddl” und “Sheepworld”. Hm.

    Im Übrigen kann ich Deine Beobachtung zumindest für Frankfurt bestätigen. In München sind mir die Ed Hardy-Shirts noch recht selten über den Weg gelaufen. Man mag jetzt spekulieren, ob das für oder gegen dieses Städtchen spricht.

  2. jau… Nachmittagsprogramm-Talkshow-DSDS-Frauentauscher Zuschauer…oder eben politisch unkorrekt “Assis” (s.o.)

    “Fashion Victim” fällt mir da spontan noch ein…denn zum Ed Hardy Shirt MUSS man mindestens 2 Farben im Haar und einen völlig asymertischen Haarschnitt tragen.
    DANN IST MAN COOL! 🙂

  3. Zweifarbige Haare

    Hm – die waren bisher ein sicheres Zeichen dafür, dass die Trägerin dieser gepflegten Frisur aus dem Osten äh den neuen Bundesländern kommt … Nicht, dass mir das verwässert wird!!

  4. bin oft in Berlin Mitte/Ostberlin unterwegs…daher mag mir das nicht so bewusst zu sein… 😉
    Findet man diese extravagant gehairstylten Mädels nicht auch im goldenen Westen?

  5. Was hat Ed Hardy mit Assis zu tun?
    Die Leute aus der Supernannyschicht tragen doch eh nur die nachgemachten Klamotten aus Polen…vor allem in Berlin
    Ed Hardy konnte sich in Deutschland einfach bei der Mittelschicht nicht durchsetzen, weil es viel zu teuer ist. Ab und zu leistet man sich dann einmal im halben Jahr eines von den billigeren T-Shirts für 80 €.
    Es ist ja bekannt, dass die Menschen in den USA eben sehr gern ihr hart verdientes Geld für teure Klamotten ausgeben und dafür wahrscheinlich irgendwo im Wohnwagen leben müssen.

  6. Auch, wenn ich nicht weiß, er “unbreakable” ist (ich werde dem gleich mal nachgehen): Solltest Du selbst eins oder mehrere dieser Shirts besitzen und/oder tragen, entschuldige ich mich im Voraus; bekanntlich bestätigen sich ja Ausnahmen in der Regel … oder so.

    Jedenfalls frag ich mich dann, wer denn zur … naja: Nicht-Mittelschicht gehört. Jedenfalls in Frankfurt (meine Bemerkungen zur jetzigen Heimat München: s.o.) werden/wurden diese Shirts meist von Zeitgenossen getragen, die der deutschen Sprache zumindest nur mit sehr starkem, meist östlichem oder orientalischem Akzent mächtig sind, mehr Zeit im Fitness-Studio verbringen als sie jemals auf der Schule waren und das Geld für die EdHardy-Ware vermutlich aus Quellen haben, die ich mir in meiner behüteten Fantasie nur schwer vorstellen kann.

    Mag in Berlin ganz anders sein.

    Außerdem möchte ich auch an dieser Stelle noch mal eins betonen: Wer ist eigentlich auf die Idee gekommen (ich sehe es so oft, dass ich doch stark ins Zweifeln gerate), diese Bevölkerungsgruppe völlig unkorrekt als AsSis zu bezeichnen??? Das kommt doch nicht von “Du Ass!” Sondern wohl eher von “Du asoziale Sau!”. Und das schreibt man in meiner Welt immer noch mit einem “s”.

  7. Jo, das stimmt — aber “Asis” spricht sich einfach nicht so schön.

    Aber da die Zielgruppe der Bezeichnung mit komplizierten Wörtern wie “asozial” eh nichts anfangen kann (und höchstwahrscheinlich nicht einmal weiss, was Attitüde heißt), ist es eigentlich auch egal, wie man’s schreibt. 😉

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